
Gebet (Puja)
Gebet in Form von Puja bedeutet die Darbringung bedingungsloser Liebe zu Gott und somit auch der gesamten Menschheit. Eine Möglichkeit diese Liebe und Hingabe in sich zu fördern, ist die Verehrung einer Murthi, einer Statue eines Aspektes des Göttlichen dem man sich besonders verbunden fühlt.
Das Ritual 'Abishekam' (Badezeremonie )ist ein wesentlicher Bestandteil der Gebetszeiten hier im Zentrum. Während dieses Rituals wird die Murthi gebadet, erhält neue Kleider und bekommt Prasad (Essen) dargeboten. Das Ausführen der zeremoniellen Handlungen lässt Bhakti entstehen. Es entfaltet sich die innere Einstellung aus Liebe zu handeln und zu geben. Einzig aus der Liebe zum Göttlichen und zur Ehre Seiner/Ihrer Herrlichkeit wird dieses Ritual vollzogen. Die komplexen Handlungen und Rezitationen der Gebete erfordern vollen Fokus, so dass für andere Gedanken kein Raum mehr ist. Der Geist wird gereinigt, das Herz wird frei von allen Einschränkungen und kommt in Einklang mit der tiefen Liebe zu Gott.
Mit der Zeit löst sich die Grenze zwischen dem Pujari (Ausführender des Rituals) und der gewählten Gottheit auf, so dass beide Eins werden in dem Bewusstsein von Glückseligkeit. Wenn dieser Moment erreicht ist, wird das ganze Leben und jede Handlung zum bedingungslosen Gebet. Der Gläubige bringt sein gesamtes Dasein dem Göttlichen dar und lebt in ständigem Gewahrsam unendlicher Liebe.
Ein Ritual bedeutet auch die 'menschliche Göttlichkeit' zu feiern. Es ist wie ein liebevoller Tanz mit Gott, durch den ein neues Universum betreten wird. Auf dieser neuen Ebene ist jede Handlung und jedes Detail geheiligt. Der menschliche Körper dient der Ausführung der rituellen Handlungen. Während er Wasser über die Murti gießt, Chandan aufbringt und Räucherwerk verbrennt, wird er zum perfekten Abbild Gottes und sich des göttlichen Ursprungs bewusst. Der Mensch ist ein Mikrokosmos des Makrokosmos (des Universums) und enthält alle Weisheit, ist omnipräsent und voll unerschöpflicher Liebe.
Auch als Beobachter der Puja kann man mit diesem Bewusstsein verschmelzen. Das Singen, Tanzen oder Meditieren während der Zeremonie ermöglicht dem Geist, einen geheiligten Raum zu betreten. Eine neue Ebene des Daseins ist erreicht und das Gebet wird intuitiv. Die persönliche und spontane Form des Ausdrucks ermöglicht unmittelbare Verbindung. Worte verschwinden und der Gläubige wird selbst zum Gebet. Das ist der höchste und direkteste Zustand den man erreichen kann. Große Intimität entsteht zwischen dem Göttlichen und demjenigen der betet. Es ist wie der Austausch zweier Liebende auf der Ebene des Herzens.
